Ratgeber · Für Interim Manager

Scheinselbstständigkeit als Interim Manager vermeiden:
Worauf Sie achten müssen

Scheinselbstständigkeit ist das rechtliche Risiko, das Ihnen als Interim Manager am meisten schaden kann. Es trifft nicht nur Ihren Auftraggeber, sondern auch Sie – bis hin zur Rückabwicklung von Honoraren und Nachforderungen. Die gute Nachricht: Sie können viel dafür tun, gar nicht erst in die Nähe dieser Grauzone zu geraten. Dieser Artikel erklärt, woran man das Problem erkennt und wie Sie sich sauber aufstellen.

Was Scheinselbstständigkeit bedeutet – und was auf dem Spiel steht

Von Scheinselbstständigkeit spricht man, wenn jemand formal als selbständiger Auftragnehmer auftritt – mit Rechnung, Vertrag und Gewerbe oder freiberuflicher Tätigkeit –, faktisch aber wie ein abhängig Beschäftigter arbeitet. Entscheidend ist nicht nur, was im Vertrag steht, sondern wie die Zusammenarbeit tatsächlich gelebt wird.

Wird ein Einsatz nachträglich als abhängige Beschäftigung eingestuft, kann das erhebliche Folgen haben: Sozialversicherungsbeiträge können rückwirkend nachgefordert werden, es drohen steuerliche Konsequenzen, und im Zweifel steht die gesamte Konstruktion des Mandats infrage. Das Hauptrisiko liegt zwar beim Auftraggeber – aber auch für Sie als Interim Manager ist eine solche Umqualifizierung unangenehm, weil sie Ihre Selbständigkeit und damit Ihr Geschäftsmodell berührt.

Gerade im Finance-Bereich ist das Thema relevant, weil Einsätze oft eng, langfristig und tief in die internen Abläufe eingebunden sind – genau die Konstellation, in der die Abgrenzung schwierig wird.

Die typischen Risikomerkmale

Die folgenden Punkte sind Indizien, die in der Gesamtschau betrachtet werden – kein einzelnes entscheidet allein, und die Beurteilung erfolgt immer am konkreten Einzelfall. Je mehr davon zutreffen, desto eher sieht es nach abhängiger Beschäftigung aus:

Weisungsgebundenheit. Sie bekommen vorgegeben, wann, wo und wie genau Sie arbeiten, wie ein Mitarbeiter. Echte Selbständigkeit bedeutet, dass Sie das Wie Ihrer Leistung im Rahmen des Auftrags selbst bestimmen.

Eingliederung in die Organisation. Sie sind faktisch Teil des Teams: feste Anwesenheitspflicht, eigener Arbeitsplatz wie ein Angestellter, Teilnahme an internen Meetings ohne Projektbezug, eine interne E-Mail-Adresse und Visitenkarte des Unternehmens.

Nur ein Auftraggeber. Wenn Sie dauerhaft ausschließlich für ein Unternehmen tätig sind und keine weiteren Kunden haben, ist das ein starkes Indiz gegen Selbständigkeit.

Kein unternehmerisches Auftreten. Sie arbeiten ausschließlich mit den Mitteln des Kunden, tragen kein eigenes unternehmerisches Risiko und treten nicht erkennbar als eigenes Unternehmen am Markt auf.

Führungsverantwortung. Sie führen Mitarbeiter des Unternehmens disziplinarisch – das ist eine klassische Aufgabe eines Angestellten, nicht eines projektbezogenen Dienstleisters.

Was Sie aktiv tun können

Sie haben mehr Einfluss auf Ihre Einordnung, als viele denken. Die folgenden Punkte stärken Ihre Position als echter Selbständiger – ohne Garantie, aber als sinnvolle Praxis:

Halten Sie mehrere Auftraggeber. Mehrere Mandate parallel oder im Wechsel sind eines der stärksten Argumente für echte Selbständigkeit. Vermeiden Sie es, über lange Zeiträume ausschließlich für einen Kunden zu arbeiten.

Treten Sie als Unternehmen auf. Eigene Rechnungsstellung, eigene Arbeitsmittel, eigener Außenauftritt, eigene Berufshaftpflicht – zeigen Sie, dass Sie ein eigenes Geschäft betreiben.

Wahren Sie Ihre Weisungsfreiheit. Lassen Sie sich das Ergebnis beauftragen, nicht Ihre Anwesenheit. Ein Vertrag mit klarer Leistungs- und Projektbeschreibung ist besser als einer, der wie eine Stellenbeschreibung klingt.

Vermeiden Sie die Eingliederung. Keine Führungsrolle über interne Mitarbeiter, keine Teilnahme an allem, was nichts mit Ihrem Projekt zu tun hat, keine Behandlung wie ein festes Teammitglied.

Achten Sie auf die Vertragsgestaltung. Ein sauberer Vertrag hilft nur, wenn die tatsächliche Zusammenarbeit ihn auch abbildet.

Ihr nächstes Mandat im Finance

Sie bringen die Erfahrung mit und möchten sie in Mandate einbringen? Schicken Sie uns Ihr Profil.

Profil einreichen →

Die Rolle eines professionellen Dienstleisters

Ein professioneller Dienstleister nimmt Ihnen einen Teil dieser Sorge ab. Er gestaltet die Verträge projekt- und leistungsbezogen und achtet auf eine saubere Abgrenzung. Für mehrere Auftraggeber zu sorgen und nicht in die Ein-Auftraggeber-Falle zu laufen, bleibt aber Ihre eigene Aufgabe – die kann Ihnen ein Dienstleister nicht abnehmen. Das ersetzt keine rechtliche Prüfung im Einzelfall, reduziert aber die typischen Stolperstellen – und ist einer der praktischen Gründe, warum viele Interim Manager über einen Dienstleister arbeiten statt ausschließlich in Direktmandaten.

Im Zweifel: Status feststellen lassen

Wenn Unsicherheit besteht, lässt sich der sozialversicherungsrechtliche Status offiziell klären – über das Statusfeststellungsverfahren bei der Deutschen Rentenversicherung. Das schafft Klarheit für beide Seiten, bevor ein Einsatz beginnt oder sich verfestigt. Für die individuelle Beurteilung und Vertragsgestaltung ist zusätzlich ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der richtige Ansprechpartner. Beides ist keine Förmelei, sondern gerade bei langen, eng eingebundenen Finance-Mandaten eine sinnvolle Absicherung.

Weiterlesen: Interim Manager werden.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine rechtliche Beratung. Die Beurteilung der Scheinselbstständigkeit erfolgt immer im Einzelfall durch die zuständigen Stellen, insbesondere die Deutsche Rentenversicherung. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder an die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung.

Bereit, selbstständig durchzustarten?

Dann lassen Sie uns kennenlernen. Hinterlegen Sie Ihr Profil und wir melden uns zurück.

Jetzt bewerben →

Häufige Frage zur Scheinselbstständigkeit

Was ist das Statusfeststellungsverfahren?

Ein offizielles Verfahren bei der Deutschen Rentenversicherung, mit dem sich klären lässt, ob eine Tätigkeit selbständig oder abhängig ausgeübt wird. Es schafft Rechtsklarheit vor oder zu Beginn eines Einsatzes.

Nach oben scrollen