Ratgeber · Für Interim Manager

Interim Manager werden:
Was Sie wirklich brauchen

Viele erfahrene Finance-Professionals erwägen den Schritt in die Selbstständigkeit. Feste Stelle gegen eigene Mandate tauschen klingt verlockend – aber was ist der tatsächliche Einstieg? Welche Voraussetzungen sind realistisch notwendig, und wie kommt man an erste Aufträge?

Welche Qualifikationen Unternehmen wirklich suchen

Fachliche Tiefe ist das entscheidende Kriterium – nicht Breite. Was Unternehmen suchen, ist ein klar definiertes Spezialistenprofil: ERP-Kenntnisse (SAP, Dynamics, Datev), spezifische Methodenkompetenz in Konsolidierung, IFRS oder Controlling-Frameworks sowie nachweisbare Branchenerfahrung. Ein breites Finance-Profil hilft wenig, wenn der konkrete Bedarf ein Jahresabschluss-Spezialist, ein FP&A-Interim-Manager oder ein Reporting-Experte ist.

Neben der fachlichen Tiefe zählen drei Soft Skills besonders: schnelle Einarbeitung, Eigenverantwortung im Arbeitsalltag und klare Kommunikation gegenüber internen Stakeholdern. Der Interim Manager übernimmt Verantwortung ohne das organisatorische Auffangnetz eines Festangestellten. Unternehmen, die einen Interim Manager engagieren, erwarten vom ersten Tag an strukturiertes, eigenständiges Arbeiten – keine Einarbeitungsphase von mehreren Wochen.

Wer ein breites Finance-Profil hat, aber keinen klaren Schwerpunkt, wird es schwerer haben. Der Markt für Interim Manager honoriert Spezialisierung: Je enger und tiefer das Profil, desto verlässlicher der Projektzugang. Wer sich als Allrounder anbietet, konkurriert mit allen und wird von den wenigsten priorisiert. Konkrete Beispiele für gefragte Profile: Jahresabschluss-Spezialist (HGB/IFRS), FP&A-Interim-Manager, Controlling- oder Reporting-Experte.

Was Sie vor dem ersten Mandat regeln müssen

Bevor das erste Projekt startet, gibt es administrative Grundlagen, die nicht aufgeschoben werden sollten. Erster Schritt: Gewerbeanmeldung oder Freiberufler-Status klären. Finance-Tätigkeiten fallen je nach konkreter Ausgestaltung unterschiedlich aus – hier lohnt sich die Abstimmung mit einem Steuerberater, bevor man eine Einstufung annimmt.

Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber dringend empfohlen – insbesondere bei Arbeiten an Jahresabschlüssen, Konsolidierungen oder mit vertraulichen Mandantendaten. Die Krankenversicherung muss neu geregelt werden: Selbstständige können sich gesetzlich freiwillig versichern oder in die private Krankenversicherung wechseln. Der Mindestbeitrag in der GKV liegt für Selbstständige deutlich über dem Arbeitnehmeranteil. Auch das sollte man vor dem Start mit einem Versicherungsberater klären.

Für den Arbeitsalltag braucht man ein schlankes Setup: Buchhaltungssoftware für Rechnungsstellung und Ausgabenerfassung, Rechnungsvorlagen mit allen Pflichtangaben (Name, Anschrift, Steuernummer oder USt-ID, Leistungsdatum, Betrag, Mehrwertsteuer) sowie Contracting-Vorlagen für Auftragsbestätigungen. Wer das von Anfang an sauber aufsetzt, spart später Zeit und Ärger.

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Wie Sie an erste Mandate kommen – realistisch betrachtet

Der realistischste erste Schritt ist das eigene Netzwerk. Ehemalige Arbeitgeber, direkte Kollegen und Branchenkontakte auf LinkedIn kennen Ihr Profil und Ihre Arbeitsweise – und sind oft schneller bereit, eine Zusammenarbeit zu testen als ein Unternehmen, dem Sie unbekannt sind. Wer seinen Status als Interim Manager aktiv kommuniziert, wird überraschend häufig direkt angefragt.

Plattformen und Jobbörsen für Interim Manager können den Radius erweitern, erfordern aber aktive Profilpflege und Geduld beim Einstieg. Kaltakquise ist für Interim Manager selten der erste sinnvolle Kanal – sie ist aufwendig, erfordert Vertriebs-Know-how und zahlt sich erst mittel- bis langfristig aus.

Ein Finance-Dienstleister kann den Einstieg deutlich beschleunigen: kein eigener Vertriebsaufwand, direkter Zugang zu konkreten Mandaten, passgenaue Zuordnung. Die realistische Timeline bis zum ersten Projektstart liegt je nach Marktlage und Spezialisierung bei ein bis drei Monaten – wer früh anfängt Kontakte zu aktivieren, verkürzt diesen Zeitraum spürbar.

Entscheidend ist in dieser Phase ein klares Profil: eine eindeutige fachliche Spezialisierung, belastbare Referenzen aus vergleichbaren Finance-Projekten und eine realistische Einschätzung von Verfügbarkeit und Tagessatz. Wer diese Punkte von Anfang an sauber aufbereitet, wird für Auftraggeber schneller einschätzbar – und kommt entsprechend früher ins erste Mandat.

Mehr zu unseren Einsatzfeldern finden Sie unter Leistungen; für ein persönliches Gespräch nehmen Sie gern Kontakt auf.

Über einen Finance-Dienstleister arbeiten – was das bedeutet

Ein Finance-Dienstleister übernimmt die Akquise, die Zuordnung zu passenden Mandaten und den Vertragsrahmen – Sie als Interim Manager müssen keinen eigenen Vertrieb aufbauen.

Die Qualität eines Dienstleisters zeigt sich daran, ob er Finance-Profile wirklich versteht. Wer jeden Interim Manager auf jede Aufgabe setzt, produziert Fehlgriffe auf beiden Seiten. Ein guter Dienstleister kennt die Unterschiede zwischen einem Controller, einem Bilanzbuchhalter und einem FP&A-Manager – und ordnet entsprechend zu. Das spart Zeit auf beiden Seiten und erhöht die Trefferquote erheblich.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und ersetzt keine Beratung. Steuer- und Rechtsfragen klären Sie mit Ihrem Steuerberater oder Rechtsanwalt, die Statusfrage (Scheinselbstständigkeit) mit der Deutschen Rentenversicherung.

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Häufige Fragen zum Einstieg als Interim Manager

Brauche ich eine Betriebshaftpflicht als Interim Manager?

Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht – aber dringend empfohlen, insbesondere bei Arbeiten an Jahresabschlüssen, Konsolidierungen oder mit vertraulichen Mandantendaten. Im Schadensfall kann eine fehlende Versicherung existenzbedrohend werden.

Was ist ein realistischer Tagessatz für Interim Manager?

Die Tagessätze variieren je nach Spezialisierung, Region und Erfahrung erheblich. Eine pauschale Zahl ist wenig aussagekräftig – eine fundierte Einschätzung für Ihr konkretes Profil besprechen wir gerne im persönlichen Gespräch.

Was ist mit Scheinselbstständigkeit?

Wenn ein Interim Manager faktisch wie ein fester Mitarbeiter geführt wird – feste Arbeitszeiten, fester Arbeitsplatz, kein eigenes unternehmerisches Risiko – besteht ein rechtliches Risiko für Auftraggeber und Auftragnehmer. Für eine Einschätzung der eigenen Situation empfiehlt sich die Beratung durch einen Fachanwalt.

Kostet mich die Zusammenarbeit mit Your Accountant etwas?

Nein – für Sie als Interim Manager entstehen keine Kosten.

Ich habe noch nie als Interim Manager gearbeitet – kann ich trotzdem starten?

Ja, wenn die fachliche Basis stimmt. Mehrjährige Berufserfahrung in einem Unternehmen reicht als Grundlage oft aus. Der Einstieg dauert etwas länger als bei Erfahrenen – ist aber realistisch machbar.

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